Klausurstilblüten oder "auf welche Antworten gibt es keine Punkte"

Mehr oder weniger unbewusst (ich fürchte, meist mehr!) versuchen einige Studenten (aber auch Studentinnen!) der Korrektur von Klausuren den tierischen Ernst zu nehmen. Die Tränen, die mir einige Antworten in die Augen trieben, konnten nicht immer eindeutig mit Lachen oder Weinen assoziiert werden, aber es waren viele! Deshalb soll ein Beitrag aus dem Kreis der Studenten besonders lobend erwähnt werden: eine Familienpackung Tempo-Tücher mit „Atemfrei-Gefühl". Die „schönsten" (wenn auch nicht richtigen) Antworten der letzten Klausur möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

  • Trisomie 21 bedeutet, dass Chromosom 16 drei mal da ist, d.h. XXXY
    (und was ist mit Chromosom 13?)
  •  
  • Prionen sind Bakterien
    (man kann immer noch was lernen!)
     
  • wenn man den PCR-Primer übersetzt, hat man am Ende ein Stop-Codon, sodass die Polymerase abbrechen würde ...
    (der Korrektor auch!)
     
  • autosomale Chromosomen sind eigentlich nicht vererbbar
    (hmm, sollte die Genetik doch überflüssig sein? Die Antwort hat grosse Selbstzeifel ausgelöst.)
     
  • Die Transmission der Translokation ist erst rezessiv und wird dann homolog
    (wie bitte war die Frage?)
     
  • Die Problematik der Analyse menschlicher Stammbäume wurde von einigen Studenten erstaunlich gut erfasst:
    .... die grösste Gefahr für Erbkrankheiten besteht für Kinder von Eltern
    .... es kann ja sein, dass das Kind das kranke Gen nicht von den Eltern hat ....
     
  • Mathematik für Biologen:
    3,5 x 109 : 4 x 103 = 19
     
  • Auf die Frage, wie man gentechnisch verändertes Soja erkennt:
    steht auf der Verpackung
    (da hatten wir wirklich nicht dran gedacht!)
    an Allergiker verfüttern und schaun, wie sie reagieren
    (ein guter Ansatz, ist aber verboten! Ausserdem gibt es bisher keine Allergiker, die auf die gentechnische Veränderung reagieren)
    Indem ich das Herbizid hinzugebe und gucke, wie das Nahrungsmittel reagiert
    (ob Nahrungsmittel davon wohl Allergien bekommen?)
     
  • Praktikumsprotokolle machen auf die Gefahren des täglichen Lebens aufmerksam:
    (nach der Lyse der Zellkerne) "...... sollte ein plötzliches Auftreten von
    Schwerkräften vermieden werden, da dies zum Zerbrechen der DNA führt."
     
  • Neues aus der Mathematik für Biologen:
    1/2 x 1/2 x 1/4 x 1/1 = 2/4 x 2/4 x 1/4 x 4/4 = 1/2
     
  • Es beruhigt, wenn Studenten dann doch etwas verstanden haben:
    Northern- und Southernblot sind nicht 1 : 1 vergleichbar.
     
  • Völlig neue Mechanismen der Molekularbiologie entdeckt:
    Die Proteine der editierten mRNA würden die Replikation der DNA unterbrechen, weil Inosin keine Aminosäure ist, die normalerweise in der mRNA vorkommt.
  • Neue Enzyme (patent pending):
    RNA-Duplicomerase
    (macht aus Duplos RNA oder umgekehrt?)
    Enzymnuclease
    (geeignet für die Entkernung von Enzymen)
     
  • Erstaunliches aus mündlichen Prüfungen:
    Frage: Nennen Sie Beispiele für gentechnisch veränderte Organismen von kommerzieller Bedeutung.
    Antwort: Gentechnisch verändertes Speisesalz mit Flourid
    Frage: Und wie kann man das Speisesalz gentechnisch verändern?
    Antwort: mit Folat

    Obwohl diese Antworten nicht den Erwartungen des Prüfers entsprachen, war ihr Ursprung nachvollziehbar.
     
    Merke: Abbildungen im Skript sind im Zusammenhang zu verstehen!