MU: Ole Waßmann

Auslandssemester University of Kassel 2019

Vorbereitung
Zwei Jahre bevor ich nach St John´s geflogen bin habe ich angefangen meine Englischkenntnisse weiterzuentwickeln. Ich habe zwei Kurse in der Uni gemacht, ca. 650 Vokabeln gelernt, ein paar Bücher gelesen und Hörbücher und Filme auf English gehört/geschaut. Ohne diese Vorbereitung hätte ich auch den Oxford-Test, bei dem man ein B2-C1 erreichen muss, auch nicht geschafft. Aber mein Englisch war auch vorher einfach nicht so gut. Fangt auf jeden Fall rechtzeitig an, dass lohnt sich sehr.
Für die Bewerbung an sich muss man ein Motivationsschreiben vorlegen. Da packst du rein, wieso dir ein Auslandsaufenthalt für deine persönlich Entwicklung etwas bringt (Englisch lernen, ein anderes Land kennen lernen, neue Leute treffen, Zugriff auf andere Unikurse zu haben, wieso du gerade zu dieser Uni oder in dieses Land willst usw.). Das Anmelden bei der Uni in Kanada war dann bei mir ziemlich undurchsichtig und ständig war man bei ähnlichen Portalen und brauchte aber immer etwas andere Daten usw. Deshalb schreib dir am besten den Link auf, bei dem ein bestimmtes Passwort oder eine bestimmte Nummer funktioniert hat. Leider verwenden sie auch mehrere Namen für die gleiche Nummer, wie z.B. die Student ID auch gleichzeitig die Memorial Number oder so ist, ohne das irgendwo zu erwähnen. Klick dich einfach durch und schreibe den Support an, das hilft dir meistens weiter.
Es ist auf jeden Fall empfehlenswert im Sommer nach St. Johns zu fahren. Die Stadt ist nämlich die nebeligste, windigste und regnerischste/schneereichste Stadt in Kanada. Das ist also echt übel im Winter, vor allem, wenn man kein Auto hat. Im Sommer kann man auf jeden Fall überall mit dem Rad hinfahren. Deswegen solltest du dir ein Rad über kijiji holen (das ist das kanadische ebay Kleinanzeigen). Es ist zwar alles sehr hügelig dort, aber man kommt dort schon gut ins Training und als Sportstudent_In sollte das für dich kein Problem sein. Öffentliche Verkehrsmittel sind halt unzuverlässig und im Endeffekt auch teuer als ein Rad für $100-$150 zu kaufen.
Ganz wichtig: Buch dir nur einen Hinflug und auf gar keinen Fall einen Rückflug. Vielleicht kannst du es dir jetzt noch nicht vorstellen, aber wahrscheinlich willst du am Ende so lange dableiben, wie es irgendwie geht. Außerdem kannst du z.B. auch noch ein bisschen durch Nordamerika trampen/reisen und dann von einer anderen Stadt zurückfliegen. Ich bin nach meiner Zeit in der Uni noch die Ferien über dortgeblieben und dann 6800km nach Vancouver getrampt und dabei auch einen Abstecher in die Staaten gemacht. Wer trampt und chouchsurft ist halt echt billig unterwegs, aber eben auch ziemlich abenteuerlich. Detroit und Chicago zu sehen ist aber auch jeden Fall ein Erlebnis. Dafür musst du aber auf jeden Fall Zelt, Schlafsack und Isomatte mitnehmen.
Die Flüge sind ein halbes Jahr im Voraus auch nicht billiger. Geh einfach mal auf „Skyscanner“ und schau nach Flügen für morgen, in einer Woche und in 4 Monaten. Wenn möglich buche die Flüge über die Airline direkt und nicht über Drittanbieter. Die sind totale Datenkraken und es kann unnötigen Stress verursachen, weil du dann eben auf dieses Unternehmen angewiesen bist und nicht mal deine Buchungsnummer usw. erhältst.

Leben in St John´s aufbauen
Bevor du hinkommst musst du dir auch schon überlegen, ob du in den University Residents leben oder eine eigene Wohnung mieten willst. Die Uni-Wohnheime sind für die Größe relativ teuer und sie sind sehr hellhörig. In Burton´s Pond bist du in einem winzigen Zimmer alleine, aber es gibt auch Häuser, wo du dir ein Zimmer teilst und dann noch tausende Dollar für den Meal Plan zahlen musst (also in die Kantine gehen musst und auch keine eigene Küche hast). Das würde ich mir wirklich gut überlegen. Dafür hat man halt sein Zimmer von Anfang an sicher und muss nicht dort noch AirBnB buchen und dann eine Wohnung suchen. Und sie sind halt auch zentral an der Uni und man lernt leicht Leute kennen. Ich habe auch einige Freund_Innen in meinem Haus gehabt. Allerdings solltet ihr nicht nur mit internationalen Studierenden rumhängen, sondern auch Locals kennen lernen.
Man muss das einfach von Beginn an als Aufgabe sehen dafür zu sorgen viele Freundschaften zu schließen und eine gute Zeit zu haben. Bei mir hat es auch einige Zeit gedauert, bis ich genug coole Leute gekannt habe. Ich habe Leute über das Haus kennen gelernt, die Uni, aber auch dadurch, dass ich einfach alleine auf Konzerte, Veranstaltungen und in Kneipen usw. gegangen bin. Klar trifft man auch mal Leute, die kein Interesse haben dich kennen zu lernen, aber davon darf man sich nicht ermutigen lassen. Die meisten Leute sind wirklich sehr nett und offen und es ist auch normal, dass man Fremde einfach so anspricht.
Die Kultur ist in St John´s auf jeden Fall auch was besonders. Es gibt überall Livemusik, auch unter der Woche. Da sind so ziemlich alle Musikrichtungen vertreten. Einfach mal die Leute fragen, welcher Pub was spielt. Black Sheep war auf jeden Fall auch Jazz, CGBT´s eher Rock/Punk, the Ship alles Mögliche, Shamrock irisch Folk (muss man sich auch mal geben). Es gibt aber noch viel viel mehr. Qidi Vidi Brewery ist auf jeden Fall auch cool, aber bisschen ab vom Schuss. Fragt euch einfach mal durch, die Locals wissen Bescheid. George Street wird einem halt immer empfohlen und da ist auch viel los, aber die Musik und die Leute ziemlich Mainstream. Aber dort kann man auch einfach mal überall reinschauen. Alternativer ist auf jeden Fall der Club Velvet, das ist ein Gay-Club. Sonst gibt es halt massenweise Hauspartys, wenn man genug Leute kennen gelernt hat, also gebt euch Mühe so viele soziale Kontakte wie möglich zu machen. Das war für mich auf jeden Fall das totale Highlight einfach so viele interessante und nette Menschen kennen gelernt zu haben. Deshalb vermisse ich auch mein Leben und meine Freund_Innen dort so sehr!
Um Sport zu machen solltet ihr wie gesagt ein Rad kaufen und wandern gehen. Damit man nicht immer einen Rundkurs wandern muss, kann man auch eine Strecke wandern und die andere Strecke trampen. Wenn ihr das nicht macht, braucht hier halt zwei Autos und das kommt echt selten zu Stande. Trampen dagegen klappt ziemlich gut. Mit dem Rad könnt ihr auch viele verschiedene Orte erreichen und einfach die Insel erkunden. Nehmt euch halt Google Earth, bzw. Satellitenbilder zur Hilfe, um spannende Ort auszukundschaften. Darüber hinaus gibt es eben das Fieldhouse („The Works“). Da gibt es Fitnessstudios, Basketball, Badminton und Schwimmen. Im Aquarena auf der anderen Seite kann man auch schwimmen, man muss aber die Zeiten checken, manchmal sind da auch nur Leute, die im Wasser planschen. Draußen kann man auch Tennis spielen, wenn man die Schläger dazu hat. Im Sommer kann man sogar in den Ponds baden!
Für Klamotten und Einrichtungsgegenstände für die Wohnung (im Studentenwohnheim hatte ich am Anfang außer den Möbeln nichts) sollte man die Second-Hand-Shops besuchen. The Salvation Army Thrift Store, Value Village und Preloved Things sind alle an Kenmound road. Da gibt es sogar für Männern Klamotten in allen Größen und außerdem kann man dort auch Sportgeräte kaufen. Einfach mal hingehen und abchecken, das sind wirklich wundervolle Läden. In die Avalon Mall muss man echt nur reingehen, um sich einen Sim-Karte zu kaufen.
Lasst dich von dem schlechten Wetter nicht entmutigen. Geh einfach trotzdem raus und wandere oder gehe in die Stadt. Wenn du immer drin bleibst, wenn das Wetter nicht optimal ist, dann wirst du wahrscheinlich sehr viel Zeit drinnen verbringen.
Zum Einkaufen kann man Dienstags in Sorbey´s gehen, da gibt es für Studierende 10%. Sonst ist Dominion aber besser. Walmart ist das Billigste, aber 6km von der Uni entfernt auf einem Berg, also schwer zu erreichen. Allgemein sind Nahrungsmittel und Alkohol ziemlich teuer, darauf müsst ihr euch einstellen. Das gilt übrigens für ganz Nordamerika.
Wenn ihr da seid solltet ihr auch weiter English lernen, d.h. vor allem Vokabeln, die euch fehlen oder im Laufe des Uni auftauchen niederschrieben und lernen. Das geht total schnell, wenn man dort ist und bringt eurem Englisch sehr viel.
Allgemein solltet ihr halt wenig Zeit einfach nur rumhängen, sondern versuchen jede Sekunde zu nutzen. 4 Monate sind eigentlich zu kurz, weil man sich gerade erst richtig eingelebt hat und dann schon wieder abhauen muss.
Und befasst euch auf jeden Fall auch mit der Wirtschaft, Geschichte und Politik von St Johns und der gesamten Provinz. Nur so könnt ihr wirklich kapieren was dort abgeht. Informiert euch auf jeden Fall über das Cod Moratorium und die Ölindustrie. Aber auch über die Geschichte und Unterdrückung der indigenen Völker solltet ihr euch informieren. Das ist die hässliche rassistische Fratze der kanadischen Gesellschaft.

Die Bilder sind natürlich nur exemplarisch von der Natur und der Stadt. Die besonderen Fotos sind dann die von den Erlebnissen, die ihr dort macht, und den Leuten, die ihr da kennen lernt. Und nochmal: Lasst euch am Anfang nicht entmutigen. Es kommt einem zwar alles grau und abweisend vor, aber wenn ihr euch Mühe gebt, dann werdet ihr festellen, was St John´s für ein freundlicher und willkommenheißender Ort ist! Ich hatte da die beste Zeit meines Lebens. Ob das auch für euch so wird hängt von eurer Motivation, eurer Offenheit und eurer Behrrlichkeit ab Leute kennen zu lernen und die Zeit effizient zu nutzen!
Wenn ihr noch weiter Fragen habt oder Empfehlungen wollte, dann schreibt mir einfach: uk037820@student.uni-kassel.de