Universidad Politècnica de Madrid: Sabrina Korthaus

Universidad Politècnica de Madrid: Sabrina Korthaus

Vorbereitung (Planung, Organisation und Bewerbung an der Gasthochschule)

Ich habe mich im Sommer 2011 dafür entschieden ein Auslandssemester in Spanien zu machen. Da ich Lehramt L3 mit den Fächern Biologie und Sportwissenschaften studiere, entschied ich mich für das Fach Sportwissenschaften, da ich zu diesem Zeitpunkt nicht sehr gut Spanisch sprach. Ich informierte mich bei Herr Kibele, ob es möglich sei auch in Spanien ein Auslandssemester zu absolvieren, da bis dorthin noch kein Kooperationsvertrag mit einer spanischen Universität bestand. Herr Kibele meinte, dass es grundsätzlich möglich sei, ich solle mich informieren, an welchen Universitäten man Sportwissenschaften studieren kann und mich gleichzeitig beim international Office erkundigen, ob es möglich sei einen Kooperationsvertrag zu schließen. Nach langem Suchen im Internet fand ich 2 Universitäten in Madrid an denen man Sportwissenschaften studieren kann und wandte mich mit dieser Info auch gleich an das international Office. Nach einigen Wochen bekam ich per E-Mail den Bescheid, dass ein Kooperationsvertrag zu 2 Universitäten in Madrid beständen und ich mich nun bewerben könnte. Ich entschied mich für die Universidad Politècnica de Madrid und füllte meine Online Bewerbung (die man auf der Homepage des Instituts für Sport und Sportwissenschaften findet). Außerdem besuchte ich die Informationsveranstaltung des Instituts für Sport und Sportwissenschaften, die jährlich im November stattfindet. Gleichzeitig bewarb ich mich für das LLP-Erasmus Studium (Online-Bewerbung findet man auf der Homepage, sowie eine Checkliste, welche Unterlagen benötigt werden und welche Fristen eingehalten werden müssen). Normalerweise wird man Anfang Februar informiert, ob man einen Platz an der Partneruniversität erhalten hat, da jedoch das Sommersemester in Madrid schon Ende Januar beginnt, bekam ich schon Anfang Januar bescheid. Nun musste ich mir Kurse an der Partneruniversität aussuchen und mit den jeweiligen Dozenten in Deutschland besprechen, ob die Anforderungen der Partnerhochschule der Universität in Kassel gleichen, um mir diese anrechnen zu lassen. Außerdem setzte ich mich mit dem international Office an der Partneruni in Verbindung, um zu besprechen, wie ich mich dort in die Kurse einwählen kann. Zuletzt buchte ich noch meinen Flug. Insgesamt habe ich mein Auslandssemester von Juli bis Anfang Dezember geplant und ab Dezember habe ich mich online Beworben. Außerdem benötigte ich für mein Auslandssemester eine Krankenversicherung, die extra für Auslandssemester von vielen Krankenkassen angeboten wird.

Unterkunft

Mit der Suche nach einer Unterkunft gestaltete es sich zum Glück relativ einfach, da Ende Januar ein deutscher Student in Madrid in einer Wohnung auszog und der spanische Mitbewohner (dessen Mutter die Wohnung gehörte) einen Nachmieter suchte und dies dem international Office in Madrid mitteilte. Falls man nicht so ein Glück hat gibt es mehrere Möglichkeiten im Internet Wohnungen zu finden. Zum einen gibt es die Internetseite www.idealista.com man kann aber auch in Gruppen bei Facebook oft Wohnungen finden. Die Gruppen heißen: deutsche in Madrid, Erasmus Madrid, ESN Complutense Madrid und auch auf der Homepage von deutsche in Madrid werden oft neue Mitbewohner gesucht. Da das Leben neben der Uni meist im Zentrum abläuft würde ich dazu raten eine Wohnung in der Nähe von Sol zu suchen. Ich wohnte zunächst etwas außerhalb und musste mit der Metro 40 Minuten zum Zentrum fahren. Daher zog ich nach 3 Monaten um. Ich wohnte in Lavapiès, was eher eine billigere Wohngegend wegen dem hohen Ausländeranteil ist. Lavapiès liegt nur 5 Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt und auch der Flair dort hat mich begeistert. Ich wohnte direkt auf dem Plaza de Lavapiès wo jeden Tag und jede Nacht was los ist.
Aber auch andere Orte rund um Sol sind beliebt bei Studenten, jedoch würde ich immer dazu raten sich die Wohnung vorher anzusehen, denn bei meiner zweiten Wohnungssuche waren die Bilder und die Beschreibungen im Internet nicht ansatzweise mit der wahren Situation vergleichbar. In Madrid ist es üblich, dass die Zimmer möbliert sind und eine Größe von 8 bis maximal 10m2 haben. Oft gibt es auch Zimmer ohne Fenster (ich hatte so eins) was im Sommer unerträglich ist weil man bei ca. 35°C schläft.

Studium an der Gasthochschule

Normalerweise gibt es für Auslandsstudenten an der Uni Politecnica de Madrid Einführungstage, an denen alles erklärt und gezeigt wird. Da ich zu diesem Zeitpunkt aber noch Klausuren schreiben musste, kam ich eine Woche verspätet in Madrid an. Ich setzte mich mit Herr Carlos Monedero Pérez in Verbindung, der mit mir am nächsten Tag eine Einzelführung durch die Uni machte und mir alles weitere (zum Glück auf Englisch) erklärte. Für die jeweiligen Kurse, die ich mir ausgewählt hatte bekam ich Karten, die ich mit Foto den Dozenten abgeben musste.
In der Uni in Madrid wählt man sich normalerweise nicht wie in Deutschland in die jeweiligen Kurse ein, sondern es gibt ?Jahrgänge?, die jedes Semester bestimmte Kurse belegen. Da ich jedoch Kurse aus unterschiedlichen Semestern belegen wollte, lernte ich die Studenten vom ersten bis zum letzten Semester kennen (sehr lustig aber anfangs auch schwer sich alle Namen zu merken). Außerdem finden alle Kurse zweimal pro Woche statt. Einige sind wegen der hohen Studentenzahl in A-F Kurse unterteilt. So findet z.B. der A Kurs Basketball Montag und Donnerstag statt. Falls man wegen Überschneidungen in 2 unterschiedliche Kurse muss, kann man dies vor Ort immer mit dem jeweiligen Dozenten besprechen. Die Liste der Kurse findet man in der Uni oder auf folgender Seite.
Die Kurse sind alle auf Spanisch, einige Dozenten erklären das Wichtigste nochmals in Englisch aber meistens wird nur auf Spanisch gelehrt.
Da die Uni schon Ende Januar beginnt, enden die Vorlesungen und Kurse Ende Mai, danach beginnt die Prüfungsphase.
Neben Sport habe ich auch einen Sprachkurs belegt, der von der Uni angeboten wird, Infos dazu findet man auf dieser Seite.

Alltag und Freizeit

Madrid ist eine Stadt in der man 24h was unternehmen und erleben kann. Wer sich erst einmal die Sehenswürdigkeiten und schönsten Plätze der Stadt angucken will kann eine kostenlose Tour mitmachen, Treffpunkt und alles weitere findet man hier.
Die Lebenskosten in Spanien gleichen denen in Deutschland, Essen und Trinken kostet gleich viel, Kosmetikartikel sind viel teurer, dafür kann man aber billiger Shoppen und 2 mal im Jahr gibt es dort die rebajas (Rabatt).
Da Madrid leider nicht am Meer liegt bin ich immer in den Parque del Retiro gegangen.
Eigentlich gibt es offiziell keine Zeitverschiebung, wenn man nach Spanien fliegt, man sollte sich aber auf die Lebensgewohnheiten der Spanier einstellen. Gefrühstückt habe ich in dem halben Jahr dort nie, Mittagessen gibt es erst ab 2-4 und wenn ich mit Spaniern abends essen gegangen bin war das meistens um 11. Danach trifft man sich je nach Wetterlage meist am Templo de Debod zum botellon (Vortrinken). Normalerweise ist das Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit in Spanien verboten, darauf achtet aber fast keiner, es wird sogar noch Dosenbier für 1 Euro von Chinesen aus Plastiktüten verkauft. Da alles etwas später stattfindet ist der Eintritt in der Disco noch bis 1.30 Uhr frei, vorher trifft man sonst eh keinen. Die meisten Spanier gehen ab 3 Uhr nachts feiern. Unter der Woche findet jeden Mittwoch eine Erasmusparty im Cafè Orange oder im Club Gabana statt, Donnerstags waren wir immer in der Disco Kapital oder im Joy. Bevor man feiern geht muss man sich für das Event anmelden, dafür gibt es unzählige Gruppen bei Facebook, die täglich neue Events schicken. Wer nicht auf House, Reggeaton und Hip Hop steht findet noch tausend Möglichkeiten zum Feiern. Rund um Sol wird man auch am Wochenende immer für einen Shot gratis in kleine Clubs oder Discos eingeladen, also eine Bartour lohnt sich auch. Hingegen sollte man sich von der Polizei fern halten, meine Erfahrung war, dass die Polizei nicht wie hier erst mal fragt was denn los ist, sondern zum Ruheschaffen mit dem Gummiknüppel zuschlägt. Auch wenn man Hilfe benötigt, weil einem das Hand oder Geld geklaut wurde, muss man auf dem Revier mindestens 3 Stunden einplanen. Mir wurde zum Glück nie etwas geklaut aber 80% meiner Freunde hatten nach Madrid kein iPhone mehr.
Auch musste ich mich an das Baguette in Madrid gewöhnen, Spanier essen morgens, mittags und abends Baguette, nach dem halben Jahr habe ich mich unendlich auf normales Brot gefreut.

Fazit (beste und schlechteste Erfahrung)

Meine beste Erfahrung in Madrid war die Gastfreundlichkeit und die Lebensfreude der Spanier. Durch die Erasmuspartys waren wir eine Gruppe mit Leuten aus der ganzen Welt und einen Abend trafen wir uns in einer kleinen Bar etwas abgelegen vom Zentrum. Eine Freundin von mir bestellte beim Kellner (es gab nur einen Kellner und einen Barkeeper) den besten Schnaps den er hatte und trank mit uns und dem Kellner auf den tollen Abend. Zwei Tage später ging ich mit ihr wieder in die gleiche Bar und der Kellner erkannte uns sofort und wank uns mit der Flasche ?Bilbao? zu. Er setzte sich mit uns an den Tisch und feierte den restlichen Abend mit uns. Auch der Barkeeper setzte sich später zu uns. Solche Momente habe ich oft in Madrid erlebt, man konnte sich irgendwo mitten in die Stadt setzen und spätestens nach 10 Minuten unterhielt ich mich mit wildfremden Leuten, von denen einige auch meine Freunde wurden.

Meine schlechteste Erfahrung war einer meiner Mitbewohner. In meiner zweiten Wohnung wohnte ich die letzten 10 Tage mit einem Spanier einer Marokkanerin und einer Libanesin zusammen. Der Spanier feierte eine Einweihungsparty mit seinen Freunden, die auch ganz lustig war. ABER: das große Problem war, dass 20 Leute in einer 60qm Wohnung nach einer Party viel Dreck hinterlassen. Die Party war sonntags und mein Abflugtag Mittwoch, zwischen diesen Tagen hatte sich der Spanier in seinem Zimmer eingeschlossen und die restlichen Mitbewohner in seinem Dreck leben lassen. Wir hatten keinen sauberen Teller, keine Tasse und keinen Topf mehr. Unser Bad sah schlimmer aus als das dreckigste Klo, was man in einer Absteige finden kann und der Kühlschrank schrie nur nach Ekel. Ich hatte meine Fächer unter seinen und das einzige was in seinem Fach lag, war eine schimmelnde Melone, dessen Schimmelsaft auf meine Sachen tropfte. Daher war meine schlimmste Erfahrung der Hygienezustand in meiner Wohnung.