PerspekTIERwechsel
Vor dem Hintergrund von Klimawandel und Artenverlust wird derzeit auch über die Notwendigkeit der Transformation der Mensch-Tier-Beziehungen diskutiert – hin zu Kohabitation oder Konvivialität als Aspekt einer sozial-ökologischen Gesellschaft. Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Landschaftsarchitekt*innen bestimmen mit ihren Entscheidungen über Flächennutzungen, meist ohne dass es ihnen bewusst ist, für welche freilebenden Tiere Lebensräume erhalten, geschaffen, zerschnitten oder zerstört werden. Ziel des Projektes „PerspekTIERwechsel“ ist es, das Thema der freilebenden Tiere stärker in den raumplanerischen Studiengängen des Fachbereiches 06 Architektur - Stadtplanung - Landschaftsplanung (ASL) der Universität Kassel zu etablieren.
Der stadtbezogene Architektur- und Planungsdiskurs ist anthropozentrisch. Weitgehend ignoriert er freilebende Tiere in der Stadt und ihre Bedürfnisse. Tieren werden Räume wie Stadtpark oder -wald zugewiesen, nutzen sie jedoch andere Räume, werden sie oft als Probleme wahrgenommen, die es durch Verdrängung, Umsiedlung oder Tötung zu lösen gilt. Wenn auch die Artenvielfalt und Individuenzahl in Städten durchaus hoch ist, zeigt sich zunehmend, welche Auswirkungen Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur auf freilebende Tiere haben: So sterben z. B. in Deutschland jedes Jahr geschätzt 100 Millionen Vögel an Glas- und Spiegelfassaden. Verkehrsinfrastrukturen sowie Licht-verschmutzung behindern Migration, Fortpflanzung und Nahrungssuche. Energetische Gebäudesanierung kann Lebensräume für Gebäudebrüter wie Fledermäuse, Sperlinge und Mauersegler zerstören. Vor dem Hintergrund der Klimakrise und des Artensterbens wird von verschiedenen Seiten eine Transformation der gesellschaftlichen Mensch-Natur-Beziehung, insbesondere auch der Beziehungen von Menschen zu Tieren gefordert. Zunehmend werden auch in Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur Planungsverfahren und Methoden entwickelt, die Habitate für Tiere in der Stadt erhalten oder neu schaffen und Kohabitation ermöglichen.
„PerspekTIERwechsel“ erlaubt es, in Lehrveranstaltungen das Thema der freilebenden Tiere in ASL in den Fokus zu nehmen.
Bausteine des Projektes sind:
- Stadtökologisches Wissen als Baustein einer Multispezies-Cohabitation
- Erprobung und Entwicklung von Methoden, die es ermöglichen, Tierperspektiven sowie die diversen Relationen von Menschen zu Tieren zu erforschen, Visionen für veränderte Mensch-Tier-Beziehungen, Kohabitationen und Beteiligungsansätze zu entwickeln, zu reflektieren und in experimentelle Transformationsprojekte zu überführen.
- Erprobung und Entwicklung von transformativen, sensibilisierenden Lehr- & Lernmodulen zur Integration in Lehrveranstaltungen
- Integration stadtökologischen Wissens und transformativer Methoden und Erfahrungen in Planungs- und Entwurfsprojekte
- Mental Health der Studierenden und Lehrenden, z.B. durch externe Begleitung