05.03.2025 | Campus-Meldung

Uni Kassel an „Disentis Roadmap“ zur Freigabe von Biodiversitätsdaten beteiligt

Weltweit führende Institutionen, Expertinnen und Experten sowie wissenschaftliche Infrastrukturen im Bereich der Biodiversitätsforschung haben sich am 4. März 2025 offiziell zu einem neuen 10-Jahres-Plan zusammengeschlossen, der darauf abzielt, Daten aus Forschungspublikationen zu „befreien“. Prof. Dr. Birgit Gemeinholzer vom Institut für Biologie der Universität Kassel (Fachgebiet Botanik) gehört zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern dieses internationalen Plans, der den freien Zugang zu Biodiversitätsdaten fördern soll.

Prof. Dr. Gemeinholzer, Professorin am Institut für BiologieBild: Sonja Rode.
Prof. Dr. Gemeinholzer, Institut für Biologie

Die Disentis Roadmap ist das Ergebnis eines Symposiums, das im August 2024 im Kloster Disentis in den Schweizer Alpen stattfand. Dort kamen führende Expertinnen und Experten aus zehn Ländern zusammen, um über den Zugang zu Biodiversitätsdaten zu beraten. Während Fortschritte bei der Freigabe offener Biodiversitätsdaten anerkannt wurden, stellten die Teilnehmenden fest, dass wissenschaftliche Publikationen oft schwer zugängliche Daten enthalten.

Ein zentrales Problem stelle dabei die mangelnde Verknüpfung bestehender Datenbanken dar, was den Zugang zu relevanten Informationen erheblich erschweren würde. Die Disentis Roadmap setzt sich daher für einen neuen digitalen Mechanismus ein: das „Libroskop“. Dieses soll Daten aus wissenschaftlichen Publikationen „befreien“ und vernetzen, um so das Verständnis der biologischen Vielfalt zu fördern. Der Ansatz wird mit revolutionären wissenschaftlichen Instrumenten wie dem Mikroskop oder Teleskop verglichen, die einst neue Perspektiven eröffneten.

 

Vision: Ein global vernetztes Datenökosystem bis 2035

Die Disentis Roadmap verfolgt das Ziel, bis 2035 alle relevanten Forschungsdaten zur biologischen Vielfalt in einem offenen und interoperablen Rahmen zugänglich zu machen. Dazu sollen die Daten maschinenlesbar aufbereitet und mit Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) analysierbar werden.

Zudem wird eine enge Zusammenarbeit mit internationalen Förderorganisationen und wissenschaftlichen Verlagen angestrebt. Letztere sollen sich verpflichten, bis 2035 den FAIR-Prinzipien zu folgen: Findable (auffindbar), Accessible (zugänglich), Interoperable (vernetzbar) und Reusable (wiederverwendbar).

 

Unterstützung aus Wissenschaft, Verlagswesen und Forschungseinrichtungen

Neben der Universität Kassel zählen 26 Institutionen und 46 Einzelpersonen weltweit zu den Erstunterzeichnern der Roadmap. Darunter sind bedeutende naturkundliche Sammlungen, wissenschaftliche Einrichtungen, Forschungsinfrastrukturen sowie Verlage und Fachgesellschaften aus verschiedenen Bereichen. Die vollständige Liste der Unterzeichner finden Sie hier.

„Durch die Neupositionierung wissenschaftlicher Veröffentlichungen als wesentlicher Bestandteil des Forschungszyklus ermutigt die Disentis Roadmap die Verlage und die wissenschaftliche Gemeinschaft, über den offenen Zugang hinaus zu einem FAIR-Zugang überzugehen“, sagte Laurence Bénichou, Gründerin und Verbindungsbeauftragte des European Journal of Taxonomy. „Die proaktive Sicherstellung der Datenqualität und -verbreitung ist die Hauptaufgabe des European Journal of Taxonomy. Auf diese Weise verbessert das EJT die unmittelbare Auffindbarkeit und Nutzbarkeit der von ihm veröffentlichten taxonomischen Informationen und macht sie für die gesamte wissenschaftliche Gemeinschaft wertvoller. Das Festhalten an der Disentis-Vision ist ein entscheidender Schritt zur Befreiung und Bereicherung des Wissens über die biologische Vielfalt."

Der Vorstandsvorsitzende des Botanischen Gartens Meise, Steven Dessein, der am Disentis-Symposium teilnahm, kommentiert: „Der Botanische Garten Meise unterstützt den Disentis-Fahrplan, der auf dem von der Bouchout-Erklärung geschaffenen Fundament aufbaut, voll und ganz. Offene Daten zur biologischen Vielfalt sind für die Bewältigung der drängenden Umweltprobleme von heute, vom Verlust der biologischen Vielfalt bis zum Klimawandel, unerlässlich. Indem wir dafür sorgen, dass Forschungspublikationen besser zugänglich und vernetzt werden, ist diese Roadmap ein entscheidender Schritt, um das Wissen über die biologische Vielfalt für Wissenschaft, Politik und Naturschutz nutzbar zu machen.“

Christophe Déssimoz, Exekutivdirektor des SIB Schweizerisches Institut für Bioinformatik, ein weiterer Unterzeichner der Disentis Roadmap, fügt hinzu: „Wir setzen uns seit langem für offene, strukturierte und interoperable Daten ein, um die Biowissenschaften voranzubringen. Die Disentis Roadmap wendet dieselben Prinzipien auf das Wissen über die biologische Vielfalt an und stellt sicher, dass wichtige Daten nicht nur verfügbar sind, sondern auch wirklich für Forschung, Politik und Naturschutz genutzt werden können."

Der Direktor des Botanischen Gartens und Botanischen Museums Berlin, Thomas Borsch, weist darauf hin, dass die taxonomische Forschung mehr als jeder andere Wissenschaftszweig von der maschinell verwertbaren Verfügbarkeit von Biodiversitätsdaten aus der Literatur abhänge. „Das in der Disentis Roadmap postulierte 'Libroscope' wird durch seinen interoperablen Ansatz eine neue Generation von Forschungsabläufen ermöglichen“, so Professor Borsch. „Dies wird sehr hilfreich sein, um dringende Probleme in der Biodiversitätsforschung anzugehen und insbesondere die Nutzung von Qualitätsinformationen über Organismen in nationalen und globalen Bewertungen zu verbessern."

 

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