06.03.2025 | Porträts und Geschichten

Von Quanten zu Worten

Alumna Sabrina Patsch wechselte von der Quantenphysik in den Wissenschaftsjournalismus und ist erfolgreiche Science Slammerin

Patsch auf der Bühne hält einen Plüschhasen in der einen und einen Zylinder in der anderen Hand.Bild: Franziska Pfeifer

Sabrina Patsch beschreibt ihr Physikstudium an der Universität Kassel wie eine Reise durch die Geschichte der Physik: „Man fängt mit den Lehren aus der Antike an, dann kommen klassische Grundlagen wie die Astronomie von Kepler oder die Mechanik von Newton. Irgendwann landet man in der Moderne bei Relativitätstheorie und Quantenphysik. Dieses strukturierte Lernen fand ich sehr cool!“ Am Anfang ihres Studiums am Standort AVZ in Oberzwehren vermisste sie zwar das typische Campusleben am zentral gelegenen Holländischen Platz, fand dafür aber eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten. „Ich wusste einfach, dass alle, die da rumlaufen, irgendwie Nerds sind“, erzählt Patsch schmunzelnd. „Da war es voll okay, eine von ihnen zu sein.“

Überrascht hat sie die Hochschulmathematik, die in Physikstudiengängen als anspruchsvoll gilt. „Wir haben uns zusammengerissen, hingesetzt und gemeinsam die Übungen durchgerechnet“, berichtet sie. Hausaufgaben kannte man ja bereits aus der Schulzeit. Die Vorteile kleiner Studierendengruppen erlebte sie besonders im Masterstudium. Zu einer Vorlesung hatte sich sogar nur ein weiterer Kommilitone angemeldet. „Da fand es der Professor albern, vorne an der Tafel zu stehen. Also saßen wir wie auf einer Couch zu dritt zusammen“, erinnert sich Patsch. Das forderte durchgehende Aufmerksamkeit. „Deshalb weiß ich heute auch noch alles über ultrakurze Laserpulse“, erzählt sie lachend.

Ihre Begeisterung für Physik teilte Patsch schon während des Studiums. Sie engagierte sich bei Veranstaltungen wie dem Tag der Physik oder dem Girls’ Day, um Schülerinnen und Schülern die Faszination ihres Fachs näherzubringen. Die Fähigkeit, komplexe Themen anschaulich zu erklären, vertiefte sie während ihres gesamten Studiums und in der Promotion, indem sie selbst Übungsgruppen leitete. „Wenn du anderen etwas erklärst, merkst du schnell, ob du es selbst wirklich verstanden hast“, weiß Patsch heute.

Dass „über Wissenschaft reden“ ein Job sein kann, erkannte sie während eines Seminars im Rahmen ihres Promotionsstipendiums bei der Studienstiftung des deutschen Volkes. Dort traf sie auf einen Wissenschaftsjournalisten, dessen Beruf sie faszinierte. Also begann sie, sich als Kommunikatorin auszuprobieren: Die Quantenphysikerin startete den Blog „Physicus Minimus“ und schrieb für Fachzeitschriften wie das Physik Journal. Mit einem Science Slam, in dem sie anschaulich erklärt, wie sie Atome nach ihrer Pfeife tanzen lässt, wurde sie 2021 deutsche Vize-Meisterin.

Am Ende ihrer Promotion musste sie dann eine Grundsatzentscheidung treffen. Auf ihrem Schreibtisch lagen zwei Angebote: eine Stelle als Postdoktorandin in der Wissenschaft und ein journalistisches Volontariat beim Berliner Tagesspiegel. „Ich wollte etwas Planbareres, aber trotzdem Wissenschaftsnahes“, begründet sie ihren Entschluss, in den Journalismus zu wechseln.

Heute arbeitet Patsch als Wissenschaftsredakteurin für das c’t – Magazin für Computertechnik. Dort ist sie für Forschungsthemen zuständig und kann inhaltlich regelmäßig über Physik berichten – oft sogar über Quantenphysik, die sie in ihrer gesamten akademischen Ausbildung schon begleitet hat. „Das ist viel mehr, als ich gehofft hatte“, sagt sie. Im Herbst 2024 kehrte sie für eine Reportage in die Labore der Experimentalphysik an die Universität Kassel zurück. Ihr Artikel beschreibt, wie Forschende dort mit DIY-Tools und Mikrocontrollern ihre Experimente steuern.

Sabrina Patschs Erfahrungen – vom intensiven Austausch in kleinen Studiengruppen bis hin zu ihrem Engagement bei Veranstaltungen wie dem Tag der Physik – legten den Grundstein für ihre erfolgreiche Karriere im Wissenschaftsjournalismus. Sie beweist, dass ein Physikstudium nicht nur Türen in der Forschung öffnen kann, sondern auch in ganz anderen Bereichen, in denen präzises Denken und die Begeisterung für Wissenschaft gefragt sind.

 

Dieser Beitrag erschien im Universitäts-Magazin publik 2025/1. Text: Vanessa Laspe

Für alle (künftigen) Alumni, die mit der Uni in Verbindung bleiben wollen